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Acht Gefährten im großen Wald der Konzeption

  • Autorenbild: Thorsten Schmidt
    Thorsten Schmidt
  • vor 4 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit



Es begab sich in jenen Tagen gen Ende des Jahres, dass eine kleine Schar junger Wandernder, die man die treibhäusler nannte, aus verschiedenen Häusern der Kunst und Kunde aufbrach, um die Pfade der Kreativkonzeption zu erlernen.


Einst waren sie neun gewesen, doch ein Schatten hatte eine von ihnen aus ihren Reihen an sich gerissen und so zogen sie zu acht in ihr zweites Abenteuer. In stiller Treue trugen sie ihre Erinnerung mit sich wie eine Flamme im Wind. Ihr Weg führte sie gen Westen, in die Niederungen am großen Fluss, wo die Stadt Düsseldorf an den Ufern glänzt. Dort stand die Halle der DO IT!, ein Schmiedehaus für Ideen und in ihren Gewölben begann das zweite Modul ihres Bundes.





Tag 01

Am ersten Tag versammelten sie sich im Dämmerlicht eines langen Saals, und da trat Jannick Splitthoff vor sie hin, ein Hüter der Klarheit, Wegweiser der Kreativität und Gefährte von jaeger+haeckerhase. Er sprach zu ihnen vom alten Handwerk des Briefings, von Fallstricken wie feinem Draht in der Heide und von Knoten in Gespinsten, die selbst den Weisen narren. Und siehe, er nahm die Maske eines Kunden an, der ein wirres Wortnetz spann: ein Briefing so verworren wie eine Dornenhecke im Herbst. Da steckten die Acht ihre Köpfe zusammen, und einer lauschte dem anderen, doch erst als das dritte Paar Ohren gefunden ward, löste sich Faden um Faden, bis ein Weg durch den Knoten sichtbar wurde. So lernten sie: Ein Team ist mehr als die Summe seiner Zungen, und ein drittes Paar Ohren kann hören, was in der Stille sich versteckt.


Und ehe sie sich versahen, trat Sonja Reddig an Jannicks Stelle, Leiterin der Ideen von Oval, die in der Kunst der Wandlung bewandert war: wie aus Funken Ideen sprangen und wie aus Ideen Grobkonzepte wurden, diese reifenden Zwischenwesen, nicht mehr Gedanke, noch nicht Gebilde. Sie entrollte vor ihnen eine Chronik, die weder glatt noch glänzend war, sondern verwittert vom Sturm der Wirklichkeit. Und ein jeder Fehler stand da wie ein Fels am Weg, an dem sie sich stießen. Und doch, aus den Stößen ward Kenntnis und aus Kenntnis Gewandtheit. Die Acht sahen: Auch Stolpern hat Richtung, wenn man die Steine beim Namen nennt.





Als die Sonne sank, suchten sie den Rhein auf, wo die Argonause Performance wie ein Irrlicht zwischen Wind und Wasser schwebte. Doch das Wetter – ein rauer Herr, der schon manchem Dichter das Blatt benetzte – bäumte sich gegen sie auf und zwang sie in die Knie. Der kalte Wind zerrte an ihren Mänteln und so wichen sie, lachend und frierend, in die gastliche Wärme einer Taverne, wo Becher klangen und Brot geteilt wurde.

 


Tag 02

Am zweiten Tag verließen sie den Stadtkern und wanderten gen Benrath, wo versteckt die Räumlichkeiten von KplusA Communications liegen. Dort empfing sie Kevin Arenja, ein Meister des Verkaufens, der die Gestalten der Seele, die 16 Persönlichkeitstypen, vor ihnen ausbreitete: vier Winde in vier Himmeln und jeder Wind in seiner Farbe vierfach geweht. Er lehrte, dass Worte Türen sind, doch nicht jede Tür öffnet sich für jeden Schlüssel. Und oft ist der Kunde nicht von derselben Art wie jene, an die er ruft. Wie also Brücken schlagen zwischen den Ufern?


Mit Kenntnis und Achtung. Mit Zungen, die sich nicht verstellen, sondern verständlich werden.




Im Anschluss trat Aljoscha Höhn zu ihnen, einer der kundigsten Moderatoren des Landes, ein Erzähler mit Augen, die den Saal lesen können wie ein Buch. Er holte Anekdoten aus seiner Reisetasche, erzählte von seinem Ringen mit dem Titan der Musik und leuchtete in jene unsichtbaren Winkel, wo Missverständnisse keimen: kleine Schatten, die groß werden, wenn keiner hinschaut. Er zeigte, wie man ihnen zuvorkommt: mit Klarheit, die nicht kalt ist, und mit Absprachen, die wie Wegmarken stehen bleiben, auch wenn der Nebel aufkommt.


Als die Dämmerung anbrach, streiften die Acht zurück in die Metropole am Rhein. Dabei lernten sie eine andere Kunst: die Geduld des Einkehrens. Sieben, nein, acht wollten sie sein in einem Brauhaus am Freitagabend, und das Brauhaus war voll wie ein Erntewagen. Sie warteten, sie lachten, sie schoben Stühle, und endlich fanden sie ihren Platz. Nicht wo sie wollten, aber wo sie sein konnten.


 



Tag 03


Am dritten Tag kehrten sie zur DO IT! zurück, und vor ihnen stand eine unmenschliche Aufgabe: die Künstliche Intelligenz.


In vielen Sagen wird sie zum Golem gemacht, ein kaltes Ding ohne Herz. In anderen zur allwissenden Lampe, die jeden Wunsch verkehrt versteht.

Doch Jan Götze, ein kreativer Direktor der Schmiede, trat zwischen sie und das Ungeheuer und sprach: „Fürchtet nicht die Höhle, fürchtet den falschen Faden. Denn die KI ist ein Werkzeug, nicht ein Wille. Ein Spiegel, der hell ist, wenn ihr Licht hineintragt. Und trüb, wenn ihr nur Dunkel erwartet.“ Er führte sie in die Tiefen: Chatbots, Bilder und gar Videos, die noch nicht Film, doch schon mehr als Traum waren. Und immer wieder hallte der rote Faden durch den Raum: Führung, Kontext, Intention. So arbeiteten sie mit wachen Augen und offenen Händen, und als die Stunde kam, traten Ergebnisse hervor, die sie selbst nicht erwartet hatten. Am Ende standen die Acht beisammen:

Erschöpft wie nach einem Berg, den man von innen bestiegen hat.

Und doch frohgemut. Der Rhein floss ruhig, als wüsste er von alten Dingen, und der Wind roch nach Abschied. Sie packten ihre Notizbücher, die voll waren von Namen und Hinweisen, von Fehlern, die zu Lehrern geworden waren und von Fragen, die hungrig machten. Dann wandten sie sich heimischen Gefilden zu. Doch wussten sie: Das nächste Abenteuer wartet bereits im Januar. Und sie würden dann wieder die Acht sein, begleitet von der Erkenntnis eines dritten Paar Ohren.

 

So schließt diese zweite Rolle der Chronik vom treibhaus: mit Ruhe und Rhein, mit Winter und Wirrungen, die sich fügen ließen, mit Sagen und Stimmen, die zu Wegen wurden, und mit einer unmenschlichen Sphäre, die kein Schrecken mehr war, sondern ein Werkzeug, das im rechten Griff zu singen vermochte. Und wer dies liest, der merke:


Auf jeder Reise ist die beste Karte ein gutes Team, und der sicherste Kompass ist die Demut. Denn so entstehen Geschichten, die bleiben. Und aus Geschichten werden Wege, die andere gehen können.








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