Was wir von den Schweizern lernen dürfen

Das vorletzte Modul durften wir bei den Schweizer Partner-Agenturen standing ovation, Aroma und Live Lab verbringen. Es gab Design und vor allem viel Thinking - insbesondere an unserer Abschlussarbeit, Aperó und die bittere Erkenntnis: Bald ist dieses wunderbare Jahr auch schon vorbei!



Freitag, 16.09.

Learning Nr. 1

Scheitere früh und oft!


Willkommen in Zürich bei standing ovation, oder wie man hier sagt: „Grüezi“! Für die meisten war es eine lange Fahrt, es ist also kaum verwunderlich das die erste Frage lautet: Gibt es hier auch Kaffee? Zwei Tassen später sitzen wir mit Michael, David und unserer treibhaus Kollegin Juliane zusammen. Juliane hat ein paar Fragen vorbereitet, die sie stellvertretend für uns an Michael und David stellt. Außerdem haben uns ihre Kolleg*innen, die heute nicht im Büro anwesend sein können, ein paar Grüße auf dem Miro Board hinterlassen (Grüezi zurück!) sowie ihre Lieblingssnacks auf dem Tisch bereit gestellt. Die Gläser mit Salzstangen, Gummibärchen und Ovomaltine sind schnell gefüllt mit hungrigen treibhaus Händen.

David führt uns nun ins Design Thinking ein. Von den sechs Schritten zur Problemlösung

dürfen wir zwei direkt auf die ersten Ideen unserer Abschlussarbeit anwenden.

Und hier kommt auch schon das erste Learning: Scheitern ist okay.

Wenn ein Scheitern in einem frühen Stadium des Prozesses des Design Thinking auftritt z. B. ein abgelehnter Prototyp, kann dies entscheidende Erkenntnisse für eine effektivere Lösung liefern.

Zum Abschluss des Tages geht es ins Theater am Neumarkt und somit auch in die Welt des

Hackings. Wir werden einzeln von einer Katze (oder einem Kater, wer weiß das schon) in

einen Raum geführt, in welchem wir die Einführung in ein Spiel erhalten. Es wäre zu viel des

Guten die Regeln dieses Spiels hier in Gänze zu beschreiben aber so viel sei gesagt: es gab

Geheimzeichen, Passwörter, Agent*innen und für jede*n eine Katzenmaske! Auf der Bühne gab es Vorträge wie „How to hack a bank“ - hier habe ich natürlich besonders aufgepasst - sowie einen Vortrag der Menschenrechtsanwältin und Aktivistin Maureen Webb zu ihrem Buch „Hacking Democracy“.


Samstag, 17.09.

Learning Nr. 2

Aperó ist nicht gleich Aperol!


Heute dürfen wir den Tag mit unserer Abschlussarbeit für den Deutschen Hospiz- und Paliativverband verbringen. Außer auf einen kurzen Plausch beim Kaffee zwischendurch oder eine Zigarette sind alle tief in die Ideenfindung für ihre Abschlusspräsentationen vertieft. Begleitet werden wir von Melanie, der Gründerin von Neu & Frei, Laura von standing ovation und Sabine, der treibhaus Inhaberin. Jede Gruppe hat 45 Minuten Zeit die bisher entstandenen Ideen mit den dreien zu spiegeln und Feedback zu erhalten.

Am Abend gibt es Aperó, ein Stück Schweizer Kultur und Geselligkeit. Und nein, Aperó ist nicht gleich Aperol, das dürfen wir an diesem Tag auch lernen!

Sonntag, 18.09.

Learning Nr. 3

Ein Raum ist eine große Plaudertasche

Am Sonntag finden wir uns vor dem Gebäude von Aroma wieder, welches 2013 sogar einen

Preis für nachhaltiges Bauen erhielt. Barbara, Creative Director bei Aroma, führt uns nach

einem freundlichen „Hallo“ durch die Agenturräume und die Werkstätten. Mal abtauchend

im pinken Bällebad, oder rutschend in die Lagerräume sind wir alle ziemlich begeistert von

der Größe und Vielseitigkeit dieser Agentur. Nach einer kurzen Kaffeepause geht es an die Theorie. Barbara gibt uns einen Einblick in Atmosphären und narrative Räume. Wir beantworten die Fragen:

Was ist eigentlich eine Atmosphäre? Und was ist der Unterschied zwischen einer Narration und einem Narrativ?

Nach der Theorie erwartet uns ein fantastisches Mittagessen auf der Dachterasse von Aroma mit veganen Burgern, veganem Eis und spätsommerlichen Temperaturen. Gesättigt und glücklich, in den Liegestühlen dieser kleinen grünen Oase liegend, hätte man gut einschlafen können. Aber Barbara hat noch einiges mit uns vor. Also gibt es eine kleine Exkursion zum naheliegenden Gelände der ehemaligen Maschinenfabrik Oerlikon (MFO), ein begrüntes nach drei Seiten offenes Gerüst mit Treppen und Loggien, die zum Verweilen, zusammen kommen und in sich gehen einladen. Im Hinblick auf das Thema unserer baldigen Abschlussarbeit sollen wir uns hier überlegen, wie man das Thema Sterben an diesem Ort sichtbarer machen könnte. Mit der Sonne im Gesicht über einer grünen Oase und den Dächern von Oerlikon thronend denke ich mir, es gibt wirklich schlechtere Orte, um sich mit diesem Thema zu beschäftigen.

Nun geht es an die Praxis. Wir sollen uns ein Raumkonzept für ein Hospiz überlegen. Ob als

Präsentation, in Collagen, oder als Grundriss, jede Gruppe geht anders an diese Aufgabe

heran. Nach diesem atmosphärisch aufgeladenen Tag, der sich fast so anfühlt als würde man

wieder studieren, geht es abends noch auf einen kurzen Besuch in die Züricher Kneipenszene.



Montag, 19.09.

Learning Nr. 4

It’s the final Kant down


Letzter Tag in Zürich bei Live Lab. Jonathan, Creative Director bei Live Lab und ehemaliger

treibhäusler, gibt uns einen kurzen Einblick in seinen Lebenslauf und bittet uns, unseren

bisherigen Lebensweg und Werdegang in kleinen Grüppchen zu reflektieren. Wo komme ich

her? Was liegt mir bei meiner Arbeit besonders am Herzen? Und was will ich unbedingt noch

lernen? Tatsächlich lernen wir auf den letzten Metern Dinge aneinander kennen, die wir

bisher gar nicht wussten.

Nun geht es an die Theorie und drei kantische Fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Und was darf ich hoffen?

Darauf aufbauend konzipieren wir in kleinen Gruppen eine Präsidentenkampagne für einen Superhelden. Nach Live Lab geht es für die meisten wieder zurück nach Hause, für eine kleine Gruppe die einen späteren Zug nimmt geht es noch ins WOW Museum. Auf drei Etagen und rund 400 Quadratmetern wird mit Täuschung, Wahrnehmung und Perspektive gespielt. Für ein paar

starke Selfies reicht es noch, dann geht es auch schon zurück in die Heimat. Zürich, du hast Eindruck hinterlassen!